Durchgeführt von Stehlin Motorradtraining im Auftrag der Kreisverkehrswacht Emmendingen e.V (gemeinnütziger Verein)

Gelungene Premiere

geschrieben im Mai 2003

Warum?

Heute soll es soweit sein, die Wandlung vom Endurobesitzer zum Endurofahrer steht an. Warum? Wie die meisten anderen Besitzer einer Enduro fahre auch ich nur deshalb eine, weil sie schön handlich auf der Straße ist. Daran, mit der Maschine auch in’s Gelände zu gehen, habe ich nie gedacht. Ich meine, in Mitteleuropa gibt es genug Straßen.

Der letztjährige Urlaub jedoch hat meine Sichtweise relativiert. Da ist man in einer Gruppe unterwegs und die anderen sind extra hier, um ihre Stollenreifen abzunutzen. Doch ich traue mich bisher nicht, mitzufahren. Die Lästereien der anderen: "mit dem schweren Teil und den Straßenreifen brauchst Du garnicht erst mitkommen" wurden mir langsam zu viel. Und die Trampelpfade, die mir schier unüberwindlich erscheinen, deren Benutzung den anderen jedoch Spaß bedeutet, reizten mich schon. Also mußte Abhilfe her.

Wo?

Während des Winters gab es ausreichend Zeit, im Internet zu recherchieren und bei Bekannten nachzufragen, wie die es eigentlich gelernt haben. Unter den vielen Anbietern habe ich mich für einen quasi "aus der Nachbarschaft" entschieden. Schließlich will ich nicht die frisch aufgezogenen Stollenreifen bei einer langen Anfahrt auf der Autobahn abnutzen. Und es ist auch ganz praktisch, daß das Training an einem Samstag stattfindet, da muß ich nicht einmal einen Urlaubstag investieren.

Wann?

Früh aufstehen. An einem Samstag! Naja, Trainingsbeginn um 8:30 Uhr ist akzeptabel. Bei meiner Ankunft sind schon einige andere Teilnehmer da und haben schon Werkzeug in der Hand. Bin ich falsch und habe einen Schrauberkurs gebucht? "Überhaupt nicht", erklärt mir nach der ersten Begrüßung der Instruktor, "wir bauen nur ein paar sturzgefährdete Teile ab. Die Spiegel kommen runter und die Lenkerarmaturen werden leicht gelöst. Bei einem Sturz verdrehen sie sich dann höchstens, bleiben aber heile. Außerdem können wir sie so gleich passend für das Fahren im Stehen einstellen." Das leuchtet ein, also her mit dem Bordwerkzeug.

Nach wenigen Minuten sind die Schraubarbeiten erledigt und es gibt etwas Zeit zum Umsehen. Erst mal schauen, was für Leute so ein Training machen. Die sehen alle ganz normal aus keiner macht den Eindruck, als hätte er die Paris-Dakar schon mal gewonnen. Naja, soll ja auch ein Anfängerkurs sein. Die meisten sind mit einer Enduro von der Stange hier und nicht alle haben extra in griffige Reifen investiert wie ich. Etwas überrascht bin ich, daß auch Frauen dabei sind. Sind also nicht nur Jungs, die gern im Sand spielen.

Tja, Sand. Irgendwie gibt es hier jede Menge davon. In verschiedenen Farben, feiner oder gröber, fest oder lose und zum nicht geringen Teil geformt zu Hindernissen und zwei Hügeln. Klar, die sind da, damit man etwas hat, um das man drumrumfahren kann. Sonst sähe das hier ja aus wie ein Parkplatz.

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Es geht gleich los

Bevor es richtig losgeht, kommt noch die offizielle Begrüßung durch die Instruktoren (3 Personen für 12 Teilnehmer) und jeder Teilnehmer stellt sich kurz vor. Die Kombination aus eigener Einschätzung des Teilnehmers und der der Instruktoren nach der Vorstellung ergibt die Aufteilung in die Gruppen. Mit dem 600er Einzylinder komme ich in die "leichte" Gruppe, die "schweren" sind eher Zweizylinder. "Das muß nicht den ganzen Tag so bleiben", hören wir auf Nachfrage, "nach Absprache kann jeder die Gruppe wechseln."

Und was ist mit anfangen? Bevor es mit den Moppeds losgeht, geht es erstmal zu Fuß los. Wir sehen uns das ganze Gelände an und erkennen dabei die zahlreichen Möglichkeiten, auf diesem Stück Land von A nach B zu kommen. Als wir an den einen Hügel kommen, fragt einer, ob wir da etwa hochfahren müssen. "Müsst ihr nicht, niemand muß etwas tun, was er sich nicht zutraut. Hier soll niemand überfordert werden. Aber wenn ihr wollt, bringen wir es euch bei." Die Gruppe regiert gespalten. Einige haben reichlich Respekt vor dem Erdhügel, bei den andern herrscht eher Vorfreude.

Jetzt geht’s los

Zurück bei den Motorrädern geht es los. So langsam werde ich zappelig. Zappeln ist gut, das macht warm. Meinen auch die Instruktoren, denn jetzt gibt es ein paar Minuten Aufwärmgymnastik in voller Montur. Klar, wer schon mal Sport gemacht hat, weiß warum. Wer warm ist, ist wenige anfällig für Verletzungen. Danach trennen sich die Gruppen und beginnen getrennt voneinander mit den Übungen.

Kreise und Achten fahren. Klar, kann jeder. Aber hier auf dem losen Untergrund ist das schon etwas anders. Erst recht, wenn man dann noch gleichzeitig Turnübungen auf dem Fahrzeug macht. Die Füße wechselweise von den Fußrasten nehmen, beide Füße mal nach rechts oder links, quasi im Damensattel. Mit dem linken Fuß auf der rechten Fußraste stehen oder umgekehrt. Bei Fahrt im Schrittempo wechselweise nach rechts oder links ab- und wieder aufsteigen. Nach wackligem Anfang komme ich mit den ungewohnten "Fahrweisen" zurecht. Manche fangen an, für die B-Note zu üben und geben den fliegenden Pelikan (Hände am Lenker, ein Fuß auf der Sitzbank, anderes Bein nach hinten ausgestreckt).

Erstmal bremsen

Nächste Übung: wir bremsen. Eine Gasse von Pylonen ist aufgestellt. Das ist unsere Bremsstrecke. Jeder kommt mit selbst gewählter Geschwindigkeit angefahren und soll sein Gefährt sauber zum stehen bringen. Bremsbeginn ist der erste Pylon. Nach zaghaftem Beginn werden wir jedem Versuch etwas schneller. Die Angst, auf dem losen Untergrund nicht bremsen zu können, war unbegründet. Zuletzt kommen wir sogar so weit, daß wir ein kurzfristig stehendes, weil überbremstes Vorderrad nicht mehr automatisch mit einem Sturz gleichsetzen. Zu wissen, daß ich das handhaben kann, gibt mir seitdem auch auf Asphalt mehr Sicherheit.

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Bergaufbremser

Was jetzt? Bergrettung! Häh? Kommt jetzt ein Bernhardiner und schleppt mein von einer Lawine eingegrabenes Mopped ab? Der Instruktor weiß es besser: "Stellt euch folgende Situation vor: Ihr fahrt einen Weg steil bergan. Unvorhergesehen ist der Weg nicht weiter passierbar und ihr müsst umkehren." Innerhalb einer Viertelstunde weiß jeder von uns, wie man aus dieser Situation heile heraus kommt. Und dazu noch, wie man am Berg wendet, ohne die rechte Hand zu benutzen.

Und wie ist das, wenn man mal quer zum Hang fahren muß? Auch das wird in beide Richtungen und mit steigender Anforderung geübt. Wer Ski fährt, ist hier mental im Vorteil. Denn was dem Skifahrer der Talski, ist dem am Hang entlang fahrenden Enduristen die Talfußraste. Ich wußte vorher nicht, daß mein Mopped eine hat.

Da wir jetzt wissen, wie man wieder heile runterkommt, versuchen wir, auf den ersten Hügel rauf zu kommen. So direkt davor stehend, sieht das richtig steil aus. Wie immer fährt einer der Instruktoren die Übung mehrmals vor. Ja wenn das so simpel ist, dann machen wir das gleich nach. Also Aufstellung genommen, etwas Anlauf und reichlich Gas. Oben gibt es ein kleines Plateau und eine kleine Verschnaufpause. Dann geht es auf einem schmalen Grat mit geringerem Gefälle wieder hinunter. Nachdem die ersten oben waren, wollen auch die es versuchen, die zuvor skeptisch waren. Und nach kurzer Zeit waren alle Teilnehmer mehrmals auf dem Berg.

Aber wer auf einen Berg herauf fährt, hat nicht immer eine flache Rampe für die Abfahrt. Die nächste Übung ist also, den Hang, den wir gerade aufwärts bewältigt haben, hinunter zu fahren. Hier kommt es hauptsächlich auf die Gewichtsverlagerung auf das Hinterrad an. Ersten Gang rein, los rollen, Hintern nach hinten und den Motor als Bremse nutzen. Auch das klappt bei jedem. Richtig schwierig fand ich, auf halber Höhe bei der Abfahrt anzuhalten.

Halbzeit

Dann ist Mittagspause. Mit den kurzfristig wieder StVZO-konform hergerichteten Motorrädern fahren wir in ein Bistro im Nachbarort. Wir müssen nicht lange auf das Essen warten, denn wir haben vorbestellt. Dafür liegt am Trainingsgelände die Karte aus, mit einem Telefonanruf wird die Bestellung rechtzeitig aufgegeben. Während der Mahlzeit nutzen wir die Zeit, um das Erlebte und Gelernte zu besprechen und zu verarbeiten.

Wir freuen uns, als es nach der Mittagspause weiter geht und die einzelnen Elemente zu einer Tour über das ganze Gelände miteinander verbunden werden. Mit zunehmender Übung stellt sich nach einigen Runden eine kleine Routine ein und jede beginnt für sich und mit Unterstützung der Instruktoren, noch bestehende Unsicherheiten zu überwinden.

Fazit

Zum Abschluss wird gemeinsam Bilanz gezogen. Es hat keine Verletzungen gegeben, keiner der Teilnehmer hat sich überfordert oder gedrängt gefühlt. Die Instruktoren sind zufrieden, daß auch jene, die einigen Übungen sehr skeptisch gegenüber standen, alle Teile des Trainings nicht nur mitgemacht, sondern auch Fortschritte im Laufe des Tages gemacht haben. Ich selbst bin überrascht, mit wie wenig Lernaufwand man sein Fahrzeug auch in Situationen sicher bewegen kann, vor denen ich als Straßenfahrer immer einen Rückzieher gemacht habe.

Die Saison hat gerade richtig angefangen, da passt vielleicht ein Fortgeschrittenen-Training noch vor dem Urlaub in den Terminkalender. Dann werden sich die Kumpels wundern, wenn ich beim nächsten Offroadausflug nicht mehr auf dem Campingplatz sitzen bleibe. Hoffentlich sieht keiner bis dahin die Bilder von der Veranstaltung, die schon im Internet zu sehen sind.

Beim Abschied bekomme ich noch mit, daß dies das erste Training auf dem neuen Übungsgelände war (deshalb war auch noch der Bagger da). Da kann ich nur sagen: gelungene Premiere, für das Gelände und für mich.

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Bitte beachten Sie:

In der Zeit vom 25.05.2012 bis zum 10.06.2012 ist unser Büro nicht besetzt. In dieser Zeit können wir Ihre Anfragen nicht beantworten und Anmeldungen nicht bestätigen. Alle eingehenden Zuschriften werden nach dem 10.06.2012 umgehend beantwortet.